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MEISTER ECKHART
Page 6
Gott schuf die Seele nach seiner höchsten Vollkommenheit, dass sie eine Geburt seines eingeborenen Sohnes sein sollte. Da er dies wohl erkannte, so wollte er herausgehen aus der heimlichen Schatzkammer seiner ewigen Vaterschaft, in der er im ersten Beginne der reinen Erstheit geblieben war und ewig geschlafen und herausgesprochen hat. Da hat der Sohn das Zelt seiner ewigen Glorie aufgeschlagen und ist herausgekommen aus dem Allerhöchsten, weil er seine Freundin holen wollte, die ihm der Vater ewiglich vermählt hatte, dass er sie heimbrächte in das Allerhöchste, aus dem sie gekommen ist Darum ging er hinaus und sprang herzu wie ein Jüngling und litt Leid aus Liebe. Aber nicht für immer ging er hinaus, er wollte wieder hineingehen in seine Kammer, das heisst, in die stille Dunkelheit der verborgenen Vaterschaft. Als er ausging aus dem Allerhöchsten, da wollte er hineingehen mit seiner Braut und wollte ihr die verborgene Heimlichkeit seiner Gottheit offenbaren, wo er mit sich selbst und mit allen Kreaturen ruht.
In principio heisst so viel wie ein Anfang allen Wesens. Es gibt auch ein Ende alles Wesens, denn der erste Beginn ist um des letzten Endes willen. Ja, Gott selbst ruht nicht da, wo er der erste Beginn ist, sondern er ruht da, wo er ein Zweck und ein Ende ist und ein Rasten alles Wesens, nicht dass dies Wesen da zunichte würde, sondern es wird da vollendet zu seiner höchsten Vollkommenheit. Was ist das letzte Ende? Es ist die Verborgenheit der Dunkelheit der ewigen Gottheit und ist unbekannt und ward nie erkannt und wird niemals erkannt. Gott bleibt darin sich selbst unbekannt, und das Licht des ewigen Vaters hat ewiglich darin geschienen, und die Dunkelheit begreift das Licht nicht. Dass wir zu dieser Wahrheit kommen, dazu verhelfe uns die Wahrheit, von der wir gesprochen haben. Amen.